KfW-Förderung 2026: Mit 'Jung kauft Alt' den Traum vom Eigenheim finanzieren
So funktioniert das KfW-Programm 'Jung kauft Alt': Förderkredite für Familien, die sanierungsbedürftige Bestandsimmobilien kaufen. Voraussetzungen, Konditionen und Rechenbeispiele.
Das Programm „Jung kauft Alt" im Überblick
Der Traum vom Eigenheim scheitert für viele Familien an einer einfachen Gleichung: Neubauten sind zu teuer, Bestandsimmobilien erfordern teure Sanierungen. Genau hier setzt das KfW-Förderprogramm „Jung kauft Alt" an – ein Instrument, das junge Familien gezielt beim Kauf sanierungsbedürftiger Bestandsgebäude unterstützt.
Das Kernprinzip: Wer eine ältere Immobilie kauft und sich verpflichtet, diese innerhalb eines festgelegten Zeitraums energetisch zu sanieren, erhält zinsgünstige Förderkredite mit attraktiven Konditionen, die deutlich unter dem Marktniveau liegen.
Die Bundesregierung verfolgt damit ein doppeltes Ziel: Einerseits wird bezahlbarer Wohnraum für Familien geschaffen, andererseits wird die energetische Sanierung des Gebäudebestands vorangetrieben – ein Schlüsselfaktor für das Erreichen der Klimaziele im Gebäudesektor. Gleichzeitig profitieren ländliche Regionen, in denen viele ältere Einfamilienhäuser leer stehen, von einer Belebung durch junge Familien.
Wer wird gefördert? Voraussetzungen im Detail
Persönliche Voraussetzungen
Das Programm richtet sich an einen klar definierten Personenkreis:
- Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt (Stichtag: Antragstellung)
- Alleinerziehende mit minderjährigem Kind
- Maximales Haushaltseinkommen: 90.000 € Bruttojahreseinkommen bei einem Kind, plus 10.000 € für jedes weitere Kind
- Kein Wohneigentum: Antragsteller dürfen zum Zeitpunkt der Antragstellung keine andere Wohnimmobilie besitzen – auch nicht anteilig
- Selbstnutzung: Die Immobilie muss als Hauptwohnsitz selbst genutzt werden und darf nicht vermietet werden
Anforderungen an die Immobilie
Nicht jede Bestandsimmobilie qualifiziert sich für die Förderung:
- Energieeffizienzklasse F, G oder H laut Energieausweis (die schlechtesten Klassen)
- Baujahr: In der Regel Gebäude, die vor 1980 errichtet wurden und seither nicht grundlegend saniert wurden
- Sanierungsverpflichtung: Der Käufer muss sich verpflichten, die Immobilie innerhalb von 54 Monaten (4,5 Jahre) auf mindestens Effizienzhaus 70 EE (Erneuerbare-Energien-Klasse) zu sanieren
- Wohngebäude: Reine Gewerbeimmobilien sind ausgeschlossen, Mischgebäude nur anteilig für den Wohnanteil
Wichtig: Die Energieeffizienzklasse wird durch den Energieausweis des Gebäudes belegt. Achten Sie beim Immobilienkauf darauf, dass ein gültiger Energieausweis vorliegt – er ist gesetzlich vorgeschrieben und gibt Aufschluss über den energetischen Zustand. Verkäufer, die keinen Ausweis vorlegen, riskieren Bußgelder.
Konditionen und Förderhöhen 2026
Kreditkonditionen im Detail
| Parameter | Konditionen |
|---|---|
| Maximaler Kreditbetrag | 150.000 € pro Wohneinheit |
| Zinssatz | Ab 0,01 % eff. p.a. (einkommensabhängig) |
| Laufzeit | Bis zu 35 Jahre |
| Tilgungsfreie Anlaufjahre | Bis zu 5 Jahre |
| Zinsbindung | 10 oder 20 Jahre wählbar |
| Sondertilgung | Bis zu 100 % nach Zinsbindungsfrist |
Einkommensabhängige Staffelung
Die Besonderheit: Je niedriger das Haushaltseinkommen, desto günstiger die Konditionen:
| Haushaltseinkommen (brutto) | Maximaler Kredit | Zinsvorteil |
|---|---|---|
| Bis 40.000 € | 150.000 € | Maximaler Zinsvorteil |
| 40.001 – 60.000 € | 150.000 € | Hoher Zinsvorteil |
| 60.001 – 90.000 € (1 Kind) | 150.000 € | Moderater Zinsvorteil |
Der effektive Zinsvorteil kann über die gesamte Kreditlaufzeit eine Ersparnis von 30.000 bis 80.000 € gegenüber einem marktüblichen Bankkredit bedeuten – abhängig von Einkommenshöhe, Tilgungsstruktur und gewählter Zinsbindung.
Kombination mit anderen Förderprogrammen
Ein entscheidender Vorteil: „Jung kauft Alt" ist kombinierbar mit weiteren Förderungen:
- BEG-Einzelmaßnahmen (BAFA): Zuschüsse für Heizungstausch, Dämmung, Fenster
- KfW-Ergänzungskredit 358/359: Zusätzlicher Kredit für energetische Einzelmaßnahmen
- Wohn-Riester: Förderfähige Tilgungsleistungen
- Landesförderprogramme: Zusätzliche Zuschüsse je nach Bundesland
- Steuerliche Förderung (§ 35c): Alternativ zur BEG-Förderung für Einzelmaßnahmen
Nicht kombinierbar ist das Programm mit dem KfW-Neubaukreditprogramm oder der Wohneigentumsförderung für Familien (WEF) für Neubauten. Wer sich für einen Altbau entscheidet, kann die WEF-Neubauförderung nicht zusätzlich nutzen.
Rechenbeispiel: Familie kauft Altbau von 1972
Ein konkretes Szenario zeigt die finanzielle Hebelwirkung des Programms:
Ausgangssituation
- Familie: 2 Erwachsene, 2 Kinder
- Haushaltseinkommen: 65.000 € brutto/Jahr
- Immobilie: Einfamilienhaus Baujahr 1972, 130 m², Energieklasse G
- Kaufpreis: 220.000 €
- Geschätzte Sanierungskosten (auf EH 70 EE): 120.000 €
Finanzierungsvergleich
| Position | Ohne Förderung | Mit „Jung kauft Alt" + BEG |
|---|---|---|
| Kaufpreis | 220.000 € | 220.000 € |
| Sanierungskosten | 120.000 € | 120.000 € |
| Gesamtinvestition | 340.000 € | 340.000 € |
| KfW-Kredit „Jung kauft Alt" | – | 150.000 € (ca. 1,5 % eff.) |
| BEG-Zuschuss Heizungstausch | – | – 15.000 € |
| BEG-Zuschuss Dämmung/Fenster | – | – 12.000 € |
| Verbleibender Bankkredit | 340.000 € (ca. 3,8 %) | 163.000 € (ca. 3,8 %) |
| Monatliche Rate (30 J.) | ca. 1.590 € | ca. 1.080 € |
| Ersparnis pro Monat | – | ca. 510 € |
Zusätzliche Einsparungen nach Sanierung
- Heizkosten vorher: ca. 3.500 €/Jahr (Gas, Energieklasse G)
- Heizkosten nachher: ca. 1.200 €/Jahr (Wärmepumpe, EH 70 EE)
- Jährliche Einsparung: ca. 2.300 €
- Wertsteigerung der Immobilie: Geschätzt 15-25 % durch Verbesserung der Energieeffizienzklasse
Über einen Zeitraum von 30 Jahren ergibt sich aus Förderung, Zinsvorteil und Energieeinsparung ein finanzieller Gesamtvorteil von über 250.000 € gegenüber dem ungeförderten Szenario.
Der Weg zum Förderkredit: Schritt für Schritt
Phase 1: Vorbereitung (vor dem Immobilienkauf)
- Einkommensnachweis zusammenstellen: Steuerbescheide der letzten zwei Jahre
- Energieberater einbinden: Erstbewertung der Wunschimmobilie (Energieausweis prüfen, Sanierungsumfang abschätzen)
- Finanzierungsrahmen klären: Eigenkapital + mögliche Förderkredite berechnen
- Reservierungsvereinbarung: Mit dem Verkäufer eine unverbindliche Reservierung treffen, um Zeit für den Förderantrag zu gewinnen
Phase 2: Antragstellung
- Finanzierungspartner wählen: Der KfW-Kredit wird über die Hausbank beantragt
- Bestätigung zum Antrag (BzA) durch die Bank erstellen lassen
- Energieberater beauftragen: Technische Projektbeschreibung (TPB) für die geplante Sanierung
- KfW-Antrag stellen: Über das Zugangsportal „Meine KfW"
Phase 3: Umsetzung
- Kaufvertrag unterschreiben (erst nach Förderzusage)
- Sanierungsfahrplan detaillieren mit dem Energieberater
- Handwerker beauftragen: Mindestens 3 Angebote einholen
- Sanierung durchführen innerhalb von 54 Monaten
- Verwendungsnachweis erbringen: Energieberater bestätigt die Zielerreichung (EH 70 EE)
Auf der Website der KfW können Interessierte den KfW-Förderrechner für Sanierungsprojekte nutzen, um ihre individuelle Förderhöhe und die monatliche Kreditrate vorab zu berechnen.
Typische Sanierungsmaßnahmen für das Effizienzhaus 70 EE
Um von der Energieklasse G auf das geforderte Effizienzhaus 70 EE zu kommen, sind in der Regel mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen erforderlich:
Heizungstausch (Pflicht für EE-Klasse)
- Wärmepumpe als häufigstes System (erfüllt automatisch die EE-Anforderung)
- Alternative: Pelletheizung + Solarthermie
- Kostenpunkt: 25.000 – 40.000 € je nach System und Gebäudegröße
Gebäudehülle
- Fassadendämmung: WDVS 16-20 cm → ca. 25.000 – 40.000 €
- Dachdämmung: Zwischensparren + Untersparren → ca. 15.000 – 25.000 €
- Fenstertausch: Dreifachverglasung → ca. 15.000 – 25.000 €
- Kellerdeckendämmung: ca. 3.000 – 6.000 €
Anlagentechnik
- Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung: ca. 6.000 – 12.000 €
- Photovoltaikanlage (für Wärmepumpen-Strom): ca. 10.000 – 18.000 €
Praxistipp: Die Reihenfolge der Sanierung ist entscheidend. Faustregel: Erst die Hülle, dann die Technik. Wer zuerst die Gebäudehülle dämmt, kann die Heizung kleiner und damit günstiger dimensionieren. Beginnen Sie mit Dach und Fassade, bevor Sie die Wärmepumpe installieren.
Fallstricke und häufige Fehler
1. Sanierungskosten unterschätzen
Altbauten bergen Überraschungen: Asbest in Fassaden, marodes Mauerwerk, veraltete Elektrik, feuchte Keller. Planen Sie einen Puffer von mindestens 15-20 % auf die geschätzten Sanierungskosten ein. Eine gründliche Bestandsaufnahme durch einen Baugutachter vor dem Kauf kann böse Überraschungen verhindern.
2. Zeitrahmen zu knapp kalkulieren
54 Monate klingen großzügig, aber die Realität sieht anders aus: Handwerkermangel, Lieferengpässe bei Wärmepumpen und Genehmigungsverfahren können den Zeitplan massiv verzögern. Beginnen Sie mit der Handwerkersuche sofort nach dem Kauf.
3. Förderantrag zu spät stellen
Der Kaufvertrag darf erst nach der Förderzusage unterschrieben werden. Wer vorher kauft, verliert den Anspruch – eine der häufigsten und teuersten Fehlerquellen. Dieses Prinzip gilt ohne Ausnahme.
4. Falschen Energieberater wählen
Nicht jeder Energieberater ist für die Begleitung einer Komplettsanierung auf EH-70-Niveau qualifiziert. Achten Sie auf die dena-Zertifizierung und Erfahrung mit vergleichbaren Projekten. Fragen Sie nach Referenzprojekten.
5. Gesamtkosten nicht ganzheitlich betrachten
Neben Kaufpreis und Sanierung fallen an: Grunderwerbsteuer, Notar, Makler, Umzug, eventuelle Zwischenfinanzierung während der Sanierung, Mietkosten für die Übergangszeit. Rechnen Sie mit ca. 10-12 % Kaufnebenkosten zusätzlich.
Wohnen während der Sanierung: Die unterschätzte Herausforderung
Ein Aspekt, den viele Familien bei der Planung übersehen: Wo wohnen Sie während der Sanierung? Eine Komplettsanierung auf EH 70 EE dauert in der Regel 6-12 Monate aktive Bauzeit. Während dieser Phase ist das Gebäude oft nicht oder nur eingeschränkt bewohnbar.
Option 1: Stufenweise Sanierung
Die wohnverträglichere Variante: Sie ziehen ein und sanieren Schritt für Schritt. Zuerst das Dach, dann die Fassade, dann die Heizung, dann die Fenster. Der Nachteil: Die Bauzeit verlängert sich erheblich, und die Abstimmung zwischen den Gewerken wird komplexer. Der Staub- und Lärmbelastung sind Sie über einen längeren Zeitraum ausgesetzt.
Option 2: Komplettsanierung vor Einzug
Die effizientere Variante: Sie sanieren das gesamte Gebäude vor dem Einzug. In dieser Zeit wohnen Sie weiter zur Miete oder bei Verwandten. Der Vorteil: Alle Gewerke können parallel arbeiten, die Bauzeit ist kürzer und die Qualität oft besser. Der Nachteil: Sie zahlen Miete und Kreditrate gleichzeitig – ein finanzieller Doppelbelastung, die einkalkuliert werden muss.
Kosten der Zwischenfinanzierung
Rechnen Sie für die Übergangsphase mit folgenden zusätzlichen Kosten:
- Mietkosten: 6-12 Monate × 800-1.200 € = 4.800 – 14.400 €
- Einlagerung Möbel: 6-12 Monate × 80-150 € = 480 – 1.800 €
- Doppelter Umzug: ca. 2.000 – 4.000 €
Regionale Marktchancen: Wo sich „Jung kauft Alt" besonders lohnt
Das Programm entfaltet seine größte Wirkung in Regionen mit niedrigen Immobilienpreisen und hohem Sanierungsbedarf:
- Ländliche Regionen in Ost- und Mitteldeutschland: Einfamilienhäuser unter 150.000 € mit großen Grundstücken
- Schrumpfende Gemeinden: Kommunen mit Leerstandsproblemen bieten oft zusätzliche kommunale Förderprogramme
- Randlagen von Ballungsräumen: Pendlerfreundliche Lagen mit deutlich günstigeren Preisen als der Stadtkern
- Regionen mit guter Infrastruktur: Kleine Städte mit Schulen, Ärzten und ÖPNV-Anbindung
In diesen Regionen ist ein sanierter Altbau für unter 300.000 € Gesamtinvestition realistisch – eine Summe, die in vielen Ballungsräumen nicht einmal für eine Eigentumswohnung reicht.
Checkliste: „Jung kauft Alt" – Ihre nächsten Schritte
- Haushaltseinkommen prüfen (unter 90.000 € + 10.000 € je weiterem Kind?)
- Aktuell kein Wohneigentum vorhanden?
- Energieausweis der Wunschimmobilie anfordern (Klasse F, G oder H?)
- Energieberater für Ersteinschätzung beauftragen
- Baugutachter für Bestandsaufnahme beauftragen
- Sanierungskosten grob kalkulieren (inkl. 20 % Puffer)
- Eigenkapital und Finanzierungsrahmen klären
- Hausbank wegen KfW-Kredit ansprechen
- Förderantrag vor Kaufvertrag stellen
- Sanierungsfahrplan mit Energieberater erstellen
- Zeitplan für 54-Monats-Frist aufstellen
Fazit: Eine Chance, die man kennen sollte
Das KfW-Programm „Jung kauft Alt" ist eines der attraktivsten Förderinstrumente für junge Familien auf dem deutschen Immobilienmarkt. Die Kombination aus zinsgünstigem Kredit, zusätzlichen BEG-Zuschüssen und langfristiger Energiekostenersparnis kann den Unterschied zwischen „unbezahlbar" und „machbar" ausmachen.
Die zentrale Botschaft: Alte Häuser sind keine Last – sie sind eine Chance. Wer bereit ist, in die energetische Sanierung zu investieren, bekommt dafür massive staatliche Unterstützung und schafft sich gleichzeitig ein zukunftsfähiges Zuhause mit niedrigen Betriebskosten. Gerade in ländlichen Regionen, wo Neubauten oft jenseits der 400.000 € liegen, ist der Kauf eines sanierungsbedürftigen Altbaus mit KfW-Förderung eine wirtschaftlich überlegene Alternative.
Tipp der Redaktion: Sprechen Sie mit Ihrer Hausbank über das Programm – viele Berater kennen die Details noch nicht ausreichend. Bringen Sie die aktuellen KfW-Merkblätter mit zum Gespräch und bestehen Sie auf eine konkrete Beispielrechnung für Ihre Situation. Die Bearbeitungszeit der KfW beträgt aktuell 4-8 Wochen – planen Sie diesen Vorlauf ein.